In der aktuellen politischen Debatte sorgt ein Begriff für massiven Zündstoff: Die „Lifestyle-Teilzeit“. Der Wirtschaftsflügel der CDU (MIT) fordert, den Rechtsanspruch auf Teilzeit drastisch einzuschränken. Nur wer „wichtige Gründe“ wie Kindererziehung oder Pflege vorweisen kann, soll künftig weniger arbeiten dürfen. Was auf den ersten Blick wie eine Ausnahme für Eltern klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein gefährlicher Rückschritt für die gesamte moderne Arbeitswelt – und insbesondere für Frauen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.
Effizienz statt Absitzen: Die Realität der Mompreneure
Die Debatte suggeriert, dass weniger Arbeitsstunden automatisch mit mangelndem Einsatz gleichzusetzen seien. Doch gerade in der Welt der Gründerinnen zeigt sich ein anderes Bild: Wer ein Unternehmen aufbaut und gleichzeitig den Familienalltag managt, arbeitet oft in Hochfrequenz.
Die Erfahrung zeigt: Wer weiß, dass das Zeitfenster schließt, sobald die Kita-Abholung ansteht, arbeitet fokussierter. „Parkinsons Gesetz“ wird hier täglich besiegt: Arbeit dehnt sich eben nicht aus, sondern wird in Rekordzeit erledigt. Teilzeit ist hier kein „Lifestyle-Accessoire“, sondern ein hoch effizientes Zeitmanagement-Modell.
Der systemische Kollaps wird privatisiert
Während die Politik mehr Vollzeit einfordert, ignoriert sie die prekäre Infrastruktur:
- Betreuungsnotstand: Kitas kürzen ihre Öffnungszeiten oder schließen wegen Personalmangel spontan komplett.
- Schulkollaps: Fehlende Ganztagsbetreuung und Lehrermangel zwingen Eltern regelmäßig zum Improvisieren.
Wer unter diesen Umständen den Rechtsanspruch auf Flexibilität beschneidet, trifft vor allem die Frauen, die versuchen, durch Selbstständigkeit eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Teilzeit ist für viele Gründerinnen die einzige Überlebensstrategie, um den Spagat zwischen Ambition und Care-Arbeit überhaupt zu bewältigen.
35 + 35 ist nicht 70. Sondern oft die besseren 40.
Dieses Thema brennt so unter den Nägeln, dass im neuen Podcast von podlinge.de die Mikros spontan angegangen sind. Ohne starre Agenda, aber mit viel Biss, beleuchten Aline Wegscheider und Moritz Bornwasser den aktuellen politischen Realitätsverlust.
Aline, Teilzeit-erwerbstätig und Mutter von drei Kindern, Michael, seit 8 Jahren selbstständig mit Familie und Moritz, seit 7 Jahren in Teilzeit, sind der lebende Beweis dafür, dass das klassische 40-Stunden-Modell ein Relikt aus einer Zeit ist, in der Care-Arbeit unsichtbar war. Sie diskutieren, warum die Fokussierung auf bloße Präsenzstunden der völlig falsche Weg für eine moderne Wirtschaft ist.
🎙️ Podcast-Tipp: Tacheles zur Teilzeit-Debatte
Warum Teilzeit oft produktiver ist als eine volle Woche im Büro und warum die aktuelle Diskussion ein Schlag ins Gesicht für alle ist, die täglich das „Konstrukt Familie“ und Business jonglieren, hört ihr in der aktuellen Folge.
Fazit: Leistung lässt sich nicht in Stunden messen
Die Forderung nach einer Abschaffung des Rechtsanspruchs auf Teilzeit verkennt, dass moderne Biografien Flexibilität brauchen. Gerade für Gründerinnen ist die Souveränität über die eigene Zeit das wichtigste Gut. Anstatt den „Lifestyle“ zu kritisieren, sollte die Politik lieber die Bedingungen schaffen, unter denen Arbeit – egal in welchem Umfang – verlässlich möglich ist.
Wie ist eure Meinung? Ist die Debatte ein notwendiger Weckruf für die Wirtschaft oder ein massiver Rückschritt für die Vereinbarkeit von Familie und Business? Schreibt es in die Kommentare.
